Faszien lieben Bewegung und Dehnung

Schmerzpatienten haben in der Rückenfaszie einen um 50 % eingeschränkten Bewegungsspielraum

Deshalb benötigt eine Faszie auch bei Schmerzen – Bewegung, Bewegung, Bewegung – sagt die Ärztin und Faszienforscherin Helene Langevin aus Boston – denn Bewegung kann die Überproduktion (Kollagenwucherung) in der Faszie stoppen.

Auch Wunden heilen schneller durch Bewegung und Dehnung der Faszien.

Die Fibroblasten dehnen sich bis zu 200 % mehr aus und senden Signale, die das Fasziengewebe entspannen lässt. Die Versteifung des Gewebes wird von den Fibroblasten mit jeder Dehnung und Bewegung weiter reduziert. (Aber bitte nur solange, wie es beim sogenannten Wohlfühl-Schmerz bleibt.)

Auch Robert Schleip betont, wie wichtig Bewegung für die Faszien sind. Bewegung sorgt für einen Temperaturanstieg im Körpergewebe. Dieser Reiz sorgt pro Grad Temperaturanstieg für eine 10 %ig höhere Enzymaktivität.

Bei regelmäßiger Bewegung produzieren die Fibroblasten innerhalb von drei Tagen frisches Kollagen und lösen so verfilztes Fasziengewebe. Die richtige Bewegungs-Dosierung ist für die Faszien von Entscheidung. Nach einer Belastung sollten dem Körper  zwei bis drei Tage Pause gegönnt werden.

 

 

 

Faszien können heilen oder verfilzen/versteifen – d.h. Menschen können gesunden oder verfilzen/versteifen

Robert Schleip verdeutlicht die Wichtigkeit der regelmäßigen Stimulation der Faszie, damit diese nicht versteift oder verfilzt.

Unsere Faszien können sich so versteifen, dass sie Muskel- und Nervengewebe einquetschen. Dies geschieht z.B. durch Bewegungsmangel, welcher zu einem Funktionsverlust und einem Wuchern der Bindegewebs-Strukturen führen kann.

Die Faszien setzen sich zusammen aus Fibroblasten (Zellen des Bindegewebes) und der sie umgebenden Matrix. Die Fibroblasten produzieren Kollagenfasern, aus der die Matrix zum größten Teil besteht.

Diese Kollagenproduktion kann heilend wirken (z.B. beim Wundverschluß) oder bei einer Überproduktion lässt es die Faszien verfilzen. Dies geschieht u.a. bei Bewegungsmangel.

Faszienverklebt

Die rechte Bildseite zeigt einen Unterarm, der drei Wochen eingegipst war.

Bewegung ist nötig um das Fasziennetzwerk aufrecht zu erhalten.

Faszien – Geheimnisvolle Welt unter der Haut

Vor drei Tagen wurde auf Arte eine Dokumentation über die Faszien ausgestrahlt. In der Mediathek steht dieser Filmbeitrag noch bis zum 26. Februar 2018 zur Verfügung. Hier klicken

„Alle Welt redet über die Faszien, das verborgene Bindegewebe, das unseren Körper im Innersten zusammenhält. Welche Rolle spielt dieses Ganzkörpernetzwerk wirklich? Bietet es Chancen für neue Therapien und Heilung, zum Beispiel für die Volkskrankheit Nummer eins, den Rückenschmerz? Die Dokumentation zeigt die neuesten Erkenntnisse der internationalen Wissenschaft.“

Bernd Scharwies schreibt seine Eindrücke zu den vielfältigen Beiträgen. Er vergleicht (ausgehend aus seiner über 25 jährigen Praxis- und Lehrtätigkeit) seine Erfahrungen, und das, was an der Rebalancing Schule unterrichtet wird, mit den „neuesten Erkenntnissen“ aus der Faszienforschung.

Viel Freude beim Lesen der folgenden Beiträge!

Die Faszie ist ein Organ

Tom Myers, Carla Stecco, Jean-Claude Guimberteau (dessen faszinierende Filmaufnahmen der Faszien im lebendigen Körper wieder und wieder eingespielt wurden) und der Sportwissenschafter Jan Wilke betonen am Beginn in der Arte Dokumentation vom 29. Januar 2018, von der Betrachtung der Faszie als Organ.

Sie betonen die Faszination der Verbundenheit – Dass die Faszien als eine Organstruktur von extrem flexiblen Fasern alles miteinander verbinden. Es existieren im Körper keine freien Räume – sondern wir existieren als ein gigantisches Ganzkörper-Netz.

Carla Stecco holt doch tatsächlich eine Pampelmuse hervor um die Faszien zu erklären – so wurde mir Anfang 1990 noch die Faszie in meiner Rebalancing Ausbildung erklärt. Die Faszien umhüllen das Muskelgewebe – so wie die Fruchthäute das Fruchtfleisch.