Rebalancing Intensiv Workshop 14.-16. September 2018

Im Rebalancing-Intensive Seminar vermitteln Rocky George James und Bernd Scharwies, wie sie den Faszien und den Klienten im Dialog begegnen.

„Different strokes for different folks“

Nicht das Interpretieren und Deuten und Verstehen lehrt Dich, einen Menschen zu begleiten und zu berühren.


Zunächst geht es darum, wahrzunehmen was ist. Der Mensch ist seine eigene Botschaft. Er will nicht gleich unsere eigene Interpretation aufgedrückt bekommen (bei der wir selbst im Zentrum stehen), sondern als er selbst gesehen und wahr-genommen werden. Hier beginnt die erste tiefe Berührung.

Jede Berührung kann mich unmittelbar für den Anderen öffnen, für das Neue und Unverfügbare in ihm, für das, was mir da entgegentritt.

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Ich nehme wirklich den Menschen wahr, wenn ich ihn „wahr“-„nehme“: ihn in seiner ureigensten Wahrheit sein lasse und annehme.

Im Workshop betrachten wir einzelne Situationen und Sitzungen jeweils im Zusammenhang eines vielschichtigen Systems, in deren Mitte Du stehst.

Weitere Informationen: Flyer hier downloaden

oder auf http://www.rebalancing.de

Wasser und Faszien

Fehlhaltungen, Bewegungsarmut und Stress werden den Faszien, also uns, körperliche Probleme bereiten.

Ebenso wichtig ist Wasser für unsere Faszien. Unser elastisches Bindegewebe ist ein riesiger Wasserspeicher – es besteht im Durchschnitt zu 70 % aus Wasser. Doch wie wird dieses Wasser gebunden?

Carla Stecco, Anatomie Professorin aus Padua, fand heraus, dass unsere Fibroblasten – Zellen, unterschiedliche Aufgaben ausführen. So werden in einigen Zellen Kollagen produziert, während andere Fibroblasten Hyaluronsäure herstellen.

Das Molekül Hyaluron ist das „Schmiermittel“ unserer Faszien. Es ist in der Lage, weitere Moleküle zu bilden und diese miteinander zu verzweigen, so dass eine Art Schwammstruktur entsteht. Und Schwämme können große Mengen Wasser binden.

Wenig Hyaluron = schlechtere Beweglichkeit

In der tiefen Faszie finden wir verschiedene Schichten von Bindegewebe – hier befindet sich idealerweise zwischen den Schichten unser Hyaluron. Falls nicht, dann wird das Gewebe rau und spröde, reibt aneinander und verfilzt.

Das Hyaluron sorgt dafür, dass die Gewebsschichten reibungslos unabhängig voneinander gleiten.

Gut ausgeführte tiefe Rebalancing Striche können den Wassergehalt erhöhen, Entzündungsstoffe austauschen und das Gewebe „reinigen“. Das hatte ich vor einigen Wochen schon einmal hier (in einem vorangegangenen Blog) beschrieben.

Faszien und Empfinden

„Je weiter die Technologie erlaubt, das Leben auf einer Mikroebene zu zu studieren, desto stärker werden die Beweise für dessen Komplexität und Intelligenz.“ Andreas Weber

Ich erlaube mir, mich von den Ergebissen der Faszienforschung emotional berühren zu lassen und beginne zu staunen. Ich sehe das Faszien-Netz in seinen unendlichen Bewegungen, bewegend wie das Meer; verbindend wie die Natur, wie jedes Lebewesen in der Natur.

Alles wird, ob Mensch, Tier oder Pflanze, wie von einer mächtigen Kraft zusammen gehalten. Möglicherweise dem Empfinden dessen was ihnen gut tut und was Ihnen schadet.

Wir sind Lebe – Wesen. Wir er – leben uns, unsere Mit – Menschen und unsere Um – Welt primär mit unseren Sinnen. Wir Empfinden.

Die Erfahrung, dass unsere Faszien auf unsere Emotionen reagieren und sich diese Gefühle verfilzend oder lösend auf das Netzwerk auswirken, dürfte ein jeder Mensch schon erlebt haben. Ein gutes Wort, eine empathische Geste, eine achtsame liebevolle Berührung wirken in bestimmten Situationen heilender als das beste Medikament, oder die beste therapeutische Technik, welche kühl, abweisend oder berechnend verabreicht wurden.

Deswegen ist das Empfinden – die Emotion – auch des Begleiters, in jeder Be – Handlung so wesentlich.

Von allen Wesen der Natur, können wir Menschen, die wir Schmerz, Isolation und Vergänglichkeit erleben, lernen.

Denn: auch nach größten Katastrophen erfahren wir, dass die Natur wieder auflebt, sich in Blüte verwandelt (und uns darin Hoffnung schenkt).

Faszien und Schmerz

Professor Siegfried Mense forscht am Zusammenhang zwischen Faszien und „unspezifischen“ Rückenschmerzen. Er beschreibt: „Alle Forschungsergebnisse der letzten Zeit zeigen, dass auch die Weichteile wie Faszien und Bänder sehr gut innerviert sind und Schmerzen auslösen können. Sie enthalten Nozizeptoren, in denen Aktionspotenziale entstehen, die die Schmerzinformation ins zentrale Nervensystem übertragen.

Speziell die thorakolumbale Faszie ist eine Schmerzquelle aufgrund des hohen Anteils von Nozizeptoren und von sympathischen Fasern im Gewebe. Aufgrund der sympathischen Fasern besteht eine enge Wechselwirkung zwischen Schmerz und Stress.“

Das trifft auch bei psychologischem Stress zu.

„Sind Muskeln andauernd falsch belastet, sind Fehlhaltungen die Folge. Oftmals haben diese Fehlhaltungen ihren Ursprung in der Arbeitswelt, beispielsweise durch aufgezwungene Bewegungen am Arbeitsplatz durch ergonomisch schlecht eingestellte Arbeitsplätze. Durch die Fehlbelastung, verbunden mit Dauerkontraktionen der Muskeln, wird das Muskelgewebe ischämisch, der Gewebe-pH-Wert sinkt. Ein saures Milieu ist ein starker Reiz für die Nozizeptoren. Stress wirkt in diesem Prozess wie ein Verstärker, beispielsweise indem man sich in einer Fehlhaltung versteift und sich die Ischämie verstärkt. Nicht umsonst gibt es den englischen Ausdruck: «My boss is a pain in the neck.» Denn wer Angst und Stress hat, versteift sich, und der eben beschriebene Prozess setzt ein.“

Welche Bedeutung hat dies für eine Rebalancing Behandlung?

Wir sprechen mit dem Klienten und betrachten seine Körperhaltung. Über den Tastbefund können wir erfahren, ob zum Beispiel Kontraktionen bestehen. Z.B. ob im Bereich des Rückens die Rückenmuskulatur mit der thorakolumbalen Faszie miteinander verfilzt sind. Denn in diesen Verfilzungen sitzen Nozizeptoren, die Schmerz auslösen, wenn die Verfilzungen das Gleiten zwischen Faszie und Muskel behindert. Das Lösen dieser Verfilzungen geschieht über tiefgehende spezielle Rebalancing-Faszien-Techniken, die sehr hilfreich sind bei der Lösung dieser Verfilzungen – oft ist dies die Ursachen eines unspezifischen Rückenschmerzes.

Das Interview erschien im Heft 05/2012 „Psychiatrie und Neurologie

 

Wie wirken Rebalancing Streichungen auf die Faszien?

Die im Rebalancing angewandten tiefen und langsamen Striche, schieben, besonders bei Schmerzzuständen, sogenanntes „abgestandenes“ Wasser aus den Faszien. Hierbei werden vermutlich Entzündungsstoffe ausgetauscht und Gewebe wird gereinigt.

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Das Besondere bei diesen stetigen achtsamen Streichungen ist jedoch nicht, dass die Wasserreserven geleert werden, sondern, dass sich diese anschließend wieder stärker auffüllt, als zuvor und das Gewebe geschmeidiger in der Bewegung ist.

Berührungsstriche und Bewegungen bewirken, dass sich die Kollagenfasern neu ausrichten. Die Fibroblasten (Zellen) produzieren neues Hyaluron (wichtig als Wasserspeicher und für die Beweglichkeit der tieferen Faszienschichten) – mit dem Ergebnis dass die Faszien besser unabhängig gleiten.

 

Reflektieren Faszien unsere Seele?

Faszien reagieren vollkommen unabhängig von muskulären oder nervlichen Reiz. Dies konnte Robert Schleip in einer wissenschaftlichen Studie nachweisen.

Biochemische Botenstoffe, die z.B. bei Entzündungen oder emotionalen Stress produziert werden, lassen die Faszien langsam und nachhaltig reagieren. D.h. dass z.B. anhaltender emotionaler Stress Verspannungen und Schmerzen auslösen kann.  Dauerhafte Spannungen beeinflussen dementsprechend natürlich auch unsere Körperhaltung.

Diese bahnbrechende Erkenntnis, dass sich das Fasziengewebe, also die sogenannten weißen  „Hüllen“ und nicht die roten Muskelfasern aufgrund von anhaltender Anspannung autonom zusammenziehen – das konnten wir im Rebalancing (oder auch andere gute Körpertherapeuten) schon immer tasten. Dass eben diese Umhüllungen fest, verfilzt oder versteift sind und nicht die Muskulatur.

Können wir daraus nicht auch folgern, dass unsere Faszien im gewissen Sinne unsere Seele reflektieren?

Faszien lieben Bewegung und Dehnung

Schmerzpatienten haben in der Rückenfaszie einen um 50 % eingeschränkten Bewegungsspielraum

Deshalb benötigt eine Faszie auch bei Schmerzen – Bewegung, Bewegung, Bewegung – sagt die Ärztin und Faszienforscherin Helene Langevin aus Boston – denn Bewegung kann die Überproduktion (Kollagenwucherung) in der Faszie stoppen.

Auch Wunden heilen schneller durch Bewegung und Dehnung der Faszien.

Die Fibroblasten dehnen sich bis zu 200 % mehr aus und senden Signale, die das Fasziengewebe entspannen lässt. Die Versteifung des Gewebes wird von den Fibroblasten mit jeder Dehnung und Bewegung weiter reduziert. (Aber bitte nur solange, wie es beim sogenannten Wohlfühl-Schmerz bleibt.)

Auch Robert Schleip betont, wie wichtig Bewegung für die Faszien sind. Bewegung sorgt für einen Temperaturanstieg im Körpergewebe. Dieser Reiz sorgt pro Grad Temperaturanstieg für eine 10 %ig höhere Enzymaktivität.

Bei regelmäßiger Bewegung produzieren die Fibroblasten innerhalb von drei Tagen frisches Kollagen und lösen so verfilztes Fasziengewebe. Die richtige Bewegungs-Dosierung ist für die Faszien von Entscheidung. Nach einer Belastung sollten dem Körper  zwei bis drei Tage Pause gegönnt werden.