Wir verkörpern unsere Einstellungen

Hängt unser Körper durch, hängen auch wir emotional durch. Ob das durch Schmerzen, grippalen Infekt oder z.B. nach starken Alkoholkonsum ausgelöst wurde – alles würde sich emotional bemerkbar machen – und eine der drei genannten Erfahrungen, dürfte jeder Mensch in unserem Kulturkreis schon erlebt haben.

Jedes Gefühl bewirkt eine Körperreaktion – und ist dementsprechend körperlich (faszial/muskulär, hormonell, biochemisch) erfahrbar

Gedanken und Ein-Stellungen sind ebenso körperlich erfahrbar. Gedanken wie: „Ich muss gut (oder gar perfekt) sein“, „Ich darf keine Fehler machen“, „Ohne mich wird es nicht laufen“ oder „Ich kann sowieso nichts bewirken“ „Es hat doch sowieso keinen Sinn“, sind entsprechend in einer Körperhaltung sichtbar.

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Unsere Gedanken und Gefühle spiegeln sich in unserem Körper

In der Schauspielkunst benutzte Anfang des 20. Jahrhunderts, Konstantin Stanislawski Körperhaltungen, Gesichtsausdrücke, Bewegungsverhalten, damit Schauspieler eine Rolle emotional erleben. D.h. dort wurde (und wird heute noch in den Schauspielschulen nach Stanislawski) die Ausbildung des Körpers notwendigerweise genauso unterrichtet, wie das Sprechtraining und die Stimmbildung.

Der Körper im Rebalancing

Im Rebalancing nutzen wir das sogenannte „Körperlesen“, damit der Klient erfährt, inwieweit seine äußere Körperhaltung mit seinen inneren Einstellungen zu tun hat. Vor der Behandlung stellt sich der Klient hin und beschreibt seine Körperwahrnehmung.

Die nach dem „Körperlesen“ ausgeführte Behandlung mit Berührungen im faszialen Bindegewebe, bewirkt eine unmittelbare Erfahrung einer Veränderung in der Körperhaltung.

Der Klient stellt sich auch nach der Behandlung hin, und erfährt so, wie sehr sich der Körper und die innere Erfahrung verändert haben.

Dies hat eine Veränderung im Gehirn zur Folge, und zwar eine Veränderung im Fühlen, Denken und Verhalten. Denn es werden neuronale Netzwerke „erweckt“, die schon angelegt waren, aber sich aus verschiedensten Gründen in eine Art „Schlafzustand“ befanden.

Dies funktioniert immer, wenn es eine emotionale Erfahrung war, und sie sollte mehrmals gemacht werden, damit tief greifende Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele sich manifestieren können.

 

Faszien und Empfinden

„Je weiter die Technologie erlaubt, das Leben auf einer Mikroebene zu zu studieren, desto stärker werden die Beweise für dessen Komplexität und Intelligenz.“ Andreas Weber

Ich erlaube mir, mich von den Ergebissen der Faszienforschung emotional berühren zu lassen und beginne zu staunen. Ich sehe das Faszien-Netz in seinen unendlichen Bewegungen, bewegend wie das Meer; verbindend wie die Natur, wie jedes Lebewesen in der Natur.

Alles wird, ob Mensch, Tier oder Pflanze, wie von einer mächtigen Kraft zusammen gehalten. Möglicherweise dem Empfinden dessen was ihnen gut tut und was Ihnen schadet.

Wir sind Lebe – Wesen. Wir er – leben uns, unsere Mit – Menschen und unsere Um – Welt primär mit unseren Sinnen. Wir Empfinden.

Die Erfahrung, dass unsere Faszien auf unsere Emotionen reagieren und sich diese Gefühle verfilzend oder lösend auf das Netzwerk auswirken, dürfte ein jeder Mensch schon erlebt haben. Ein gutes Wort, eine empathische Geste, eine achtsame liebevolle Berührung wirken in bestimmten Situationen heilender als das beste Medikament, oder die beste therapeutische Technik, welche kühl, abweisend oder berechnend verabreicht wurden.

Deswegen ist das Empfinden – die Emotion – auch des Begleiters, in jeder Be – Handlung so wesentlich.

Von allen Wesen der Natur, können wir Menschen, die wir Schmerz, Isolation und Vergänglichkeit erleben, lernen.

Denn: auch nach größten Katastrophen erfahren wir, dass die Natur wieder auflebt, sich in Blüte verwandelt (und uns darin Hoffnung schenkt).

Faszien und Schmerz

Professor Siegfried Mense forscht am Zusammenhang zwischen Faszien und „unspezifischen“ Rückenschmerzen. Er beschreibt: „Alle Forschungsergebnisse der letzten Zeit zeigen, dass auch die Weichteile wie Faszien und Bänder sehr gut innerviert sind und Schmerzen auslösen können. Sie enthalten Nozizeptoren, in denen Aktionspotenziale entstehen, die die Schmerzinformation ins zentrale Nervensystem übertragen.

Speziell die thorakolumbale Faszie ist eine Schmerzquelle aufgrund des hohen Anteils von Nozizeptoren und von sympathischen Fasern im Gewebe. Aufgrund der sympathischen Fasern besteht eine enge Wechselwirkung zwischen Schmerz und Stress.“

Das trifft auch bei psychologischem Stress zu.

„Sind Muskeln andauernd falsch belastet, sind Fehlhaltungen die Folge. Oftmals haben diese Fehlhaltungen ihren Ursprung in der Arbeitswelt, beispielsweise durch aufgezwungene Bewegungen am Arbeitsplatz durch ergonomisch schlecht eingestellte Arbeitsplätze. Durch die Fehlbelastung, verbunden mit Dauerkontraktionen der Muskeln, wird das Muskelgewebe ischämisch, der Gewebe-pH-Wert sinkt. Ein saures Milieu ist ein starker Reiz für die Nozizeptoren. Stress wirkt in diesem Prozess wie ein Verstärker, beispielsweise indem man sich in einer Fehlhaltung versteift und sich die Ischämie verstärkt. Nicht umsonst gibt es den englischen Ausdruck: «My boss is a pain in the neck.» Denn wer Angst und Stress hat, versteift sich, und der eben beschriebene Prozess setzt ein.“

Welche Bedeutung hat dies für eine Rebalancing Behandlung?

Wir sprechen mit dem Klienten und betrachten seine Körperhaltung. Über den Tastbefund können wir erfahren, ob zum Beispiel Kontraktionen bestehen. Z.B. ob im Bereich des Rückens die Rückenmuskulatur mit der thorakolumbalen Faszie miteinander verfilzt sind. Denn in diesen Verfilzungen sitzen Nozizeptoren, die Schmerz auslösen, wenn die Verfilzungen das Gleiten zwischen Faszie und Muskel behindert. Das Lösen dieser Verfilzungen geschieht über tiefgehende spezielle Rebalancing-Faszien-Techniken, die sehr hilfreich sind bei der Lösung dieser Verfilzungen – oft ist dies die Ursachen eines unspezifischen Rückenschmerzes.

Das Interview erschien im Heft 05/2012 „Psychiatrie und Neurologie

 

10 000 Schritte täglich

In einem „Welt+“ Artikel, werden die gesundheitlichen Vorteile betont, wenn wir 10 000 Schritte am Tag gehen.

„10.000 Schritte sind eine Grundlage für einen aktiven Alltag“, sagt Professor Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln: „Sie helfen uns dabei, Folgeerkrankungen von Bewegungsmangel entgegenzuwirken.“ Die Bewegung beuge unter anderem gegen Diabetes, Bluthochdruck oder Übergewicht vor. Auch das Risiko für Herz-Kreislauf Erkrankungen wird gesenkt.

Zudem wirke das Gehen laut Froböse präventiv gegen eines der größten Volksleiden – die Rückenschmerzen. Diese entstehen oft durch Bewegungsmangel, da die Muskulatur nicht genügend gestärkt und gelockert wird. Regelmäßiges Gehen ist die einfachste Methode, den Rücken zu stärken.

Dem stimme ich grundsätzlich zu. Ich persönlich merke sehr schnell die Auswirkungen auf mein seelisches (und körperliches) Wohlbefinden, wenn ich mich zu wenig bewege.

Für mich stimmt die folgende Aussage:
Ein gesunder Geist, steckt in einem gesunden Körper – und umgekehrt.

Ich nehme schnelle Veränderungen in und an mir wahr, wenn ich mich regelmäßig viel bewege: ich fühle mich wohler, Stress belastet mich weniger, meine Konzentrationsfähigkeit steigert sich und ich bin insgesamt aktiver in meinem Leben unterwegs. Abgesehen davon fühle ich mich jünger.

All dies ist auch wissenschaftlich erwiesen. Was oft nicht erwähnt wird:
Dass ich Bewegungen ausführen sollte, die mir auch Freude machen.

Also: wenn mir das Gehen absolut keine Freude bereitet, und ich es nur tue, weil mir jemand sagt, dies wäre gut, dann wird der Effekt nicht so groß sein, als für jemanden der gern zu Fuß unterwegs ist.

Dann sollte ich entweder etwas am Gehen entdecken, was mir Freude macht – oder mich für eine Bewegungsart entscheiden, die mir Freude macht. Das bewirkt und verändert etwas in meinem Gehirn.

Im übrigen ist es leicht, Bewegung in den Alltag einzubauen.

Treppe statt Fahrstuhl
Ein Spaziergang für ein Gespräch
Eine U-Bahn-(Tram-)Station früher aussteigen
Vor oder nach der Mittagspause eine Runde ums Bürogebäude spazieren
Meinen Stadtteil entdecken wollen (oder eine andere Stadt zu Fuß erkunden)
…..

In der Summe hat alles eine große Wirkung.

Let’s Go

Stress und chronischer Rückenschmerz

Dr. Jonas Tesarz aus Heidelberg, kam in seinen Forschungen zu dem Ergebnis, dass das Schmerzempfinden bei Patienten mit einem hohen Stressanteil im Leben, Traumaerfahrungen und emotional belasteten Erlebnissen deutlich höher liegt, als bei Patienten ohne diese Erlebnisse.

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Das Schmerzempfinden prägt sich zudem besonders ein und findet in den tieferen Faszienschichten bei myofaszialen Reizen statt. Vermutlich ist das Gehirn im gewissen Sinn „voraktiviert“ und leichter erreichbar für chronische Beschwerden.

Dass Stress Rückenschmerzen über die Faszie auslösen kann oder verschlimmern kann ist nach Dr. Tesarz`s Meinung nicht mehr zu bestreiten. Er versucht den Schmerz zu lindern oder zu beseitigen, indem er direkt das Gehirn in seinen Therapien (EMDR) erreicht. Seine Versuche bestätigen diesen Ansatz.

Auch im Rebalancing arbeiten wir indirekt mit dem Gehirn. Mittels Gespräch, dem Körperlesen und tiefer faszialer Arbeit, beruhigen wir das Gemüt, erreichen emotionale Erfahrungen, die das Gehirn, und damit auch den Schmerz verändert.

„Das alles verbindende Gewebe ist der Ort, wo man die Ursachen für Krankheiten suchen muss. Und der Ort, wo Heilung beginnen kann. Dennoch müssen wir noch so viel begreifen über die Faszien.“
Dr. Carla Stecco, Mailand

Wie wirken Rebalancing Streichungen auf die Faszien?

Die im Rebalancing angewandten tiefen und langsamen Striche, schieben, besonders bei Schmerzzuständen, sogenanntes „abgestandenes“ Wasser aus den Faszien. Hierbei werden vermutlich Entzündungsstoffe ausgetauscht und Gewebe wird gereinigt.

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Das Besondere bei diesen stetigen achtsamen Streichungen ist jedoch nicht, dass die Wasserreserven geleert werden, sondern, dass sich diese anschließend wieder stärker auffüllt, als zuvor und das Gewebe geschmeidiger in der Bewegung ist.

Berührungsstriche und Bewegungen bewirken, dass sich die Kollagenfasern neu ausrichten. Die Fibroblasten (Zellen) produzieren neues Hyaluron (wichtig als Wasserspeicher und für die Beweglichkeit der tieferen Faszienschichten) – mit dem Ergebnis dass die Faszien besser unabhängig gleiten.

 

Reflektieren Faszien unsere Seele?

Faszien reagieren vollkommen unabhängig von muskulären oder nervlichen Reiz. Dies konnte Robert Schleip in einer wissenschaftlichen Studie nachweisen.

Biochemische Botenstoffe, die z.B. bei Entzündungen oder emotionalen Stress produziert werden, lassen die Faszien langsam und nachhaltig reagieren. D.h. dass z.B. anhaltender emotionaler Stress Verspannungen und Schmerzen auslösen kann.  Dauerhafte Spannungen beeinflussen dementsprechend natürlich auch unsere Körperhaltung.

Diese bahnbrechende Erkenntnis, dass sich das Fasziengewebe, also die sogenannten weißen  „Hüllen“ und nicht die roten Muskelfasern aufgrund von anhaltender Anspannung autonom zusammenziehen – das konnten wir im Rebalancing (oder auch andere gute Körpertherapeuten) schon immer tasten. Dass eben diese Umhüllungen fest, verfilzt oder versteift sind und nicht die Muskulatur.

Können wir daraus nicht auch folgern, dass unsere Faszien im gewissen Sinne unsere Seele reflektieren?