Wunder geschehen

„Was vor uns liegt und was hinter uns liegt, sind Kleinigkeiten im Vergleich zu dem, was in uns liegt. Und wenn wir das, was in uns liegt, nach außen in die Welt tragen, geschehen Wunder.“
Henry David Thoreau


Ich wünsche Euch allen, dass das Licht der Weihnacht Euer Herz erleuchtet hat.

Auf das zurückliegende Jahr blicke ich mit Dankbarkeit. Eugen Ionesco schrieb: „Wir glauben Erfahrungen zu machen, aber die Erfahrungen machen uns.“ Welche Erfahrungen prägten mich 2019? Die Bereitschaft mich verändern zu lassen; Den Empfang von Gnade; Das Geschenk des Vertrauens; Die Demut, um Hilfe zu bitten; Die Erfahrung von Begegnungen, Das Dienen in Wachheit und Achtsamkeit und die Entscheidung von einem Leben in mehr Freiheit.

Ich bin dankbar für das Vertrauen, dass mir Menschen entgegen bringen. Dafür, dass ich Menschen begleiten darf, damit sie sich Ihrer vielfältigen Fähigkeiten bewusster zu werden. Dankbar für den „Erfolg“. Dieser Erfolg besteht, nach Benjamin Zanders Vision, nicht darin Reichtum und Macht zu erlangen, sondern misst sich daran, „wieviele leuchtende Augen ich um mich herum“ erleben darf. Mir ist bewusst, dass nicht „ich“ dies alles „schaffen“ konnte. Ich durfte Empfänglichkeit lernen.

Immerfort

Immerfort empfange ich mich aus Deiner Hand.
Das ist meine Wahrheit und meine Freude.

Immerfort blickt Dein Auge mich an
und ich lebe aus Deinem Blick.
Du mein Schöpfer und mein Heil.


Romano Guardini

Ich wünsche einem jedem von Euch für 2020, die Erfahrung und das Vertrauen in dieses „Empfangen“, sowie den Mut in die stetig stattfindende Veränderung, welche das reichhaltige Leben uns Tag für Tag bietet.

Mögen wir alle, den Mut besitzen, das Wunder zu leben. Dass „das, was in uns liegt, nach außen in die Welt“ getragen werden kann. Indem wir einander einladen, ermutigen und inspirieren. Ich freue mich auf ein Wiedersehen, sei es in meiner Praxis, in einer Fortbildung, Supervision, Seminar oder in einer der Ausbildungsgruppen.

Ein gesegnetes gutes neues Jahr 2020 wünscht Euch

Bernd Scharwies

Körper-Seele-Geist Einheit

„Unser Bewusstsein ist partnerschaftlich zwischen Gehirn und Körper angelegt: Das Gehirn berichtet von der Außenwelt, der Körper von der Innenwelt, und das Nervensystem ist der Vermittlungspartner zwischen diesen beiden.“
Antonio Damasio

Der Neurowissenschaftler Antonio Damasio beschrieb ausführlich, auf welche Weise unser Körper mit unserer Psyche kommuniziert. Er unterscheidet neurologisch zwischen Gefühlen und Emotionen.

Emotionen sind in diesem Zusammenhang körperliche Reaktionen, die der Aufrechterhaltung der Homöostase dienen: körperliche Reaktion, Rückzug und Bewegung. Damasio benennt ein Beispiel: „Haben wir ein Gefühl von Angst, wird unser Herz zu rasen beginnen, unser Mund wird trocken, unsere Haut wird blass und unsere Muskeln ziehen sich zusammen. Diese emotionale Reaktion erfolgt automatisch und unbewusst.“

Unser Gehirn formt diese körperlichen Emotionen in mentale Gefühle (um), indem es ihr eine Wertigkeit zuweist. „Gefühle“, sagt Damasio, „treten erst auf, nachdem wir uns in unserem Gehirn der körperlichen Veränderungen [der Emotionen] bewusst geworden sind; dann erst erleben wir das Gefühl der Angst“. „Und Schmerz“, erklärt er weiter, „muss als ein Gefühl behandelt werden“. Dies impliziert die besondere mentale Bedeutung bei der Schmerzerfahrung.

Dies betrifft j e d e Schmerzerfahrung

Der australische Physiotherapeut Mark Bishop, forschte darüber, wie die Erwartungen der Patienten/Klienten die Ergebnisse der manuellen Therapie beeinflussen.

In einer Vergleichsstudie mit 400 Rücken-Schmerzpatienten, zwischen den Methoden der Wirbelsäulenmanipulation und der Wirbelsäulenmobilisation, wurde zusätzlich eine „therapeutische Berührung“ angewandt, bei der die Therapeuten einfach „ihre Hände auf oder in die Nähe des Körpers des Patienten legen mit der Absicht zu helfen oder zu heilen“. „Überraschenderweise“ war die therapeutische Berührung nach Abschluss der sechsjährigen Studie diejenige Behandlung, die von den Teilnehmern am meisten gewünscht und von der sie sich am meisten Hilfe bei ihren Schmerzen erwartet haben.

In weiteren Studien über Hals-, Schulter- und Lendenwirbelsäulenbeschwerden war die generelle Genesungserwartung der Patienten/Klienten der wichtigste Indikator für die Genesung; sie ist stärker als die verwendete therapeutische Methode, die Erfahrung des Arztes oder andere Faktoren.

Vor diesem Hintergrund, sind laut Bishop, unsere Fähigkeiten, eine gute Zusammenarbeit wahrscheinlich wichtiger für die Schmerzheilung als irgendeine bestimmte Methode oder Therapie.

Beeindruckend auch ein weiteres Forschungsergebnis:
Die Methode ist wichtig, aber besonders auf der Seite der Therapeuten: wenn die Therapeuten eine starke Vorliebe für eine bestimmte Behandlung hatten, dann führte diese Behandlung zu deutlich besseren Ergebnissen, unabhängig davon, welche Art von Behandlung angewandt wurde.

Erfolgsfaktor Faszination

Du möchtest eine Körper- / KomplementärTherapeutische Ausbildung wie z.B. Rebalancing machen, bist aber unsicher, ob Du damit ausreichend Geld verdienen? …….. Oder du hast eine Ausbildung absolviert und unklar, wann der beste Zeitpunkt für den Start einer Praxis wäre? ……… Oder Du hast eine Praxis eröffnet und würdest gerne, dass mehr Klienten den Weg in Deine Praxis finden? ……..

Seit einiger Zeit erhalte ich (teilweise sehr hartnäckige) Werbemails von deutschen (oder internationalen) Anbieter: Mit mehr oder weniger großen Versprechungen, „wenn Du diesen Massage-Business-Kurs mit x-Modulen buchst, dann wirst Du erfüllt und glücklich Geld verdienen, Selbstvertrauen gewinnen, Marketing Formeln erhalten“ etc.. Meist verbunden mit einem „Bonus-„Angebot.

Es gibt eine einfache und kostengünstige Erfolgsformel, eine unbestechliche Einflussgröße, die wesentlich über die Möglichkeit von Erfolg entscheidet: Deine Faszination für Rebalancing!

Es gibt keinen größeren Erfolgsfaktor, wie Deine Ergriffenheit von den achtsamen, absichtslosen tiefen Berührungen, dem psychosomatischen Körperlesen, den herzlichen Fasziendialogen und von der Schönheit der unverwechselbaren, einzigartigen Menschen, die sich Dir anvertrauen.

Die Grundlagen der Faszination werden in einer qualifizierten Ausbildung, deren Lehrer und den Ausbildungsinhalten gelegt. Die unterschiedlichen Qualitäten verschiedener Lehrer werden unterschiedlich faszinieren. Wir sind von Rebalancing fasziniert. Faszination ist ansteckend!

Liebe ist die Grundlage

Heute schenkte ich einem Freund, der sich für die Zusammenhänge von Körper, Geist und Seele interessiert, das von mir verfasste Rebalancing Buch. Er las dann laut aus der Einführung: „Liebe ist die Grundlage dieser Arbeit. Jegliche Spannung verschwindet, wenn ihr mit Liebe begegnet wird.“

Da berührten mich meine eigenen Worte. So erging es mir schon einige Male, wenn z.B. Schüler aus dem Buch etwas erwähnen oder zitieren. Vor 11 Jahren wurde das Buch veröffentlicht. Nach wie vor ist es für mich die Grundlage für unsere Ausbildungen. Auch wenn ich heute einiges anders formulieren würde.

Wir berühren Menschen. Wie leicht lässt sich diese Körper – Herz – Weisheit vergessen. Worauf richtet sich mein Blick, meine Aufmerksamkeit, wenn ich Menschen berühre? Ganz im Sinne des 1. Korinther Briefes: „Wenn ich mit Menschen- und Engelzungen redete, aber keine Liebe habe, so bin ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.“ Wenn ich noch so hervorragende Techniken anwende, über bestes Wissen verfügte, aber keine Liebe habe ….

Touching (from) the heart

Das Erleben von Tiefe

Die grundlegende Hypothese in der Ökologie besagt, dass alles mit allem zusammenhängt. Dies trifft auf unser Körper- und Fasziengewebe zu.

Die Faszien bieten weitreichende Behandlungsmöglichkeiten. Es ist leicht mit den Faszien zu arbeiten; vorausgesetzt der Therapeut weiß, wie er dem Fasziennetzwerk in einem individuellen Dialog begegnet.

Es ist faszinierend und erbaulich zu sehen, wie schnell durch empathische, gezielte, tiefe Strich-Dialoge eine sofortige strukturelle körperliche Veränderung herbeigeführt wird.

Achtsamer „Counterstretch“ im Rebalancing

Der Schlüssel für die heilbringende äußere (und der inneren) Wandlung liegt in der faszialen Beschaffenheit unseres Körpers. Unser Körper hat sich ein Leben lang geformt und formt sich auch in Zukunft – aus den Erfahrungen und Gefühlen unser täglichen Erlebnisse. Wenn ich Menschen begegne und berühre, dann geschieht dies ausschließlich in der Gegenwart. Alles, was wir als Menschen sind, tragen wir in unserer Gegenwart mit uns.

Mithilfe des Werkzeugs des “Körperlesens” spüren wir Ursachen von Verspannungen und Schmerzen auf. Für den Körpertherapeuten sind in der äußeren Haltung des Körpers die inneren Einstellungen sichtbar. Der Körper erzählt anhand der Körperhaltung seine Geschichte,

Nicht Innen Nicht Außen

„Die abendländische Grenze zwischen dem Innen (privat, geheim, unterschließbar, heilig) und dem Außen (offenbar, messbar, veränderbar, ermordbar) ist endgültig gefallen“

Andreas Weber

Das Leben eines jeden Menschen ist
untrennbar mit dem Leben der Welt verwoben;
der Klient der die Praxis besucht und de
wahrgenommen und berührt wurde,
wird die Praxis in einer anderen Wahrnehmung verlassen.

Die Welt und der Mensch – weitergehend –
die Welt und die Lebewesen befinden sich
im gegenseitigen Wechselspiel.

Der Mensch und seine Umgebung,
wie er sie unmittelbar erfährt,
ist alles andere als ein festgelegtes Objekt;

Lebewesen sind vieldeutige Schwingungen,
die auf meine Empfindungen antworten und
diese rufen wiederum in mir Gefühle hervor.

ALLes ist mit ALLem verbunden

Der atmende Leib, der die Welt erfährt und bewohnt,
unterscheidet sich völlig vom schematischen Körper
z.B. aus einem Anatomiebuch. Jeder Leib ist anders, als der,
den ich zu sehen 
und fühlen gelehrt bekommen habe.

Der Körper ist keine komplexe Maschine,
deren Teile repariert werden müssen.

Der Leib den alle Menschen und jedes Lebewesen beleben und bewohnen ist ein Körper der Wahrnehmung und des Fühlens. Dieser Leib ist die Grundlage für die Begegnung und Berührung mit jedem Menschen, ja jedem Lebewesen, welches ebenso als wahrnehmender und fühlender Körper sich mir anvertraut.  Der lebendige Körper stellt Kontakt her (zu anderen und zu mir). Er ist es, der Reflexion, Denken und Erkenntnis ermöglicht.

Menschen sind auf Beziehungen eingestimmt. Ein-Blick in unseren Körper bezeugt,
dass jede Faser, jede Faszie, jeder Nerv – alle Organe in einem Beziehungsgeflecht leben. 

Deswegen kann und wird jede isolierende Betrachtung, - sei es der Blick auf eine anatomische Struktur (wie z.B. des M.iliopsoas, den Rücken etc.) oder sei es der isolierende Blick auf eine Krankheit oder ein Beschwerdebild, mich in die Irre, d.h. ebenso in die Isolation führen. 
LEBEN ist jedoch MEHR ALS ................ DIE DARSTELLUNG DES LEBENS .......... 
Leben ist FÜHLEN ...... ist AUSTAUSCH ......... ist BEDEUTUNG ......... ist ENTFALTUNG ..... ist NETZWERK ....... ist WECHSELSEITIGE BEZIEHUNG ....
"Das Geheimnis Gottes schläft im Stein, atmet in der Pflanze, regt sich im Tier und erwacht im Menschen." Thomas von Aquin
Häufig hat der Mensch den Kontakt zum Kosmos, zu den Kräften der Natur, zu seinen Mitmenschen, zu den Tieren etc. verloren und fühlt sich in seiner Welt nicht mehr zuhause.
Ungeborgenheit, Angst, alle möglichen Beschwerden und Krankheiten sind die Folge.
Beständigkeit ist eine Haltung
Begleiten heißt partizipieren heißt zur Anwesenheit kommen. Einfach da sein, ohne etwas Bestimmtes zu wollen - 
Im Schweigen vor jedem Gedanken, vor jeder Freude und jedem Schmerz - im Bewusstsein Zeit zu haben -
Eingetaucht sein in den Atem der Ewigkeit. Dann ändert sich alles, - Zeit, Raum und Gedanken;
Sehen, ohne zu urteilen. Alles darf zunächst so sein, wie es ist.
Beständigkeit ist eine Haltung, die wesentlich für einen Weg der Begleitung erscheint. Lebendigkeit erfahren wir in unserer Verbindung zu anderen Lebewesen.
Jeder Körper eines Lebewesens zeugt von Spuren, die wir deuten und spüren, da wir selbst Körper sind.
Innen ist Außen zugleich.

"Was ihr Inneres ist, gelebte Bedeutung, ist zugleich ihr Äußeres, gestaltgewordene Bedeutung." Andreas Weber

Ermutigung zur Selbstliebe

„Viele Schwierigkeiten im Leben sind Beziehungsschwierigkeiten zu anderen Menschen. Sie führen dazu, dass die Betroffenen auf irgendeine Weise versuchen, die Probleme in den Griff zu bekommen, indem sie sich mit dem anderen beschäftigen. Der andere ist ja die Ursache der Schwierigkeiten. Wäre er anders, hätte man diese Sorgen nicht.“
Michael Lehofer

Leider, leider, leider sind es nicht die anderen Menschen – die ich ändern kann. Aber es gibt einen den ich ändern kann: mich!
Das ist die frohe Botschaft.

Ist das zu radikal? Das mag radikal klingen, macht (mit etwas Übung) das Leben lebenswerter. Den/die Andere kann ich sowieso nicht ändern.

Indem ich beginne „Ja“ zu mir zu sagen, übernehme ich Verantwortung für mich, d.h. für meine Gedanken, für meine Taten, für meine Worte etc.. Die Eigenverantwortung unterstützt Heilungsvorgänge, unterstützt Beziehungsklärungen und befreit mich aus einer „Opferrolle“.

Mit der „Ich sage Ja zu mir“ Meditation fördern wir außerdem Berührungskompetenz, denn so wie ich als Behandler lerne, meine Stärken zu stärken, ist auch der/die Behandelte gefordert, Ja zu sagen, zu dem, wo ihre oder seine Grenzen liegen.

Das klingt paradox und ist paradox. Und es ist Heilung! Es ist eine Ermutigung zur Selbstliebe.