Gelassenheit + Entwicklung

„Innere Bilder sind Verschaltungsmuster von Nervenzellen, die sich einmal herausgebildet haben und auf die man zurückgreifen kann.“, sagt Dr. Gerald Hüther. Demnach wirken sich unsere Einstellungen und Erfahrungen auf unsere Wahrnehmung aus, und wir beginnen, Dinge dementsprechend zu beurteilen.

Warum verwirklicht ein Mensch ein offensichtlich schädliches Muster immer wieder und hält in gewisser Weise daran fest?

Dr. Gerald Hüther führte eine scheinbar lächerliche Studie durch und entdeckte einen interessanten Geist-Körper-Zusammenhang. Es sollte wissenschaftlich belegt werden, dass sich Fasten positiv auf die Gesundheit auswirkt. Die Bedingungen waren für alle 300 Teilnehmer während der Fastenwochen gleich: ideale Umgebung, freundliches Personal, aufmerksame Betreuung……. Bei fünfzig Prozent der Teilnehmer war das Fasten wie erwartet erfolgreich. Ihnen ging es in vieler Hinsicht deutlich besser, psychisch wie körperlich, zum Beispiel im Hinblick auf ihre Blutwerte…… Bei den anderen fünfzig Prozent hatte sich dagegen kaum etwas verändert, zum Teil waren die Laborwerte sogar schlechter als zu Beginn der Studie. Auf den ersten Blick ein nichts sagendes Ergebnis, dann aber sah er genauer hin.
Es stellte sich heraus, dass die erfolglosen Teilnehmer mehr oder weniger unfreiwillig in der Klinik waren; sie nahmen nur teil, weil es die Krankenkassen so wollten…….
Mit dem Fasten hatten diese Teilnehmer also hauptsächlich Hunger und Verzicht verbunden, was sofort ein negatives Körperprogramm mit entsprechenden Reaktionen aktivierte, die einen Erfolg des Fastenprogramms sabotierten.

„Wissenschaft beruht auf Wissen. Kunst beruht auf Wissen. Magie beruht auf Wissen und so weiter und so fort. 
Es gibt dagegen nur eine Form von Weisheit, und sie beruht auf Liebe.“ Francisco Varela, Biologe

Die Beschäftigung mit dem Leben ist letztendlich eine Auseinandersetzung mit dem, was etwas in uns bewirkt.

Wir formen die eigene tägliche Wirklichkeit anhand der Sichtweise, aus der wir sie betrachten. Empfinden wir das Leben als schön, und betrachten wir aus dieser Haltung heraus die Welt, so werden wir auch viele Dinge und Menschen entdecken, die schön sind. Das gilt natürlich auch umgekehrt.

Auch unser Körper sagt neben unseren Handlungen sehr viel über unsere Einstellungen aus, da jeder urteilende Satz über uns selbst, über andere oder die Welt einen starken Effekt auf unseren Körper hat. Die Einstellungen, die dabei sprachlich zum Ausdruck kommen, finden ihre Entsprechung im Körper und sind für jeden ersichtlich, der Körperhaltungen lesen bzw. deuten will.

Wahrnehmung schafft Verbindung und somit die Anbahnung neuer Reize und schenkt uns immer wieder neue Gelegenheiten, auf diese angemessen und sogar immer wieder anders zu reagieren. Aus dem Dialog mit der Welt erfolgen Erfahrungen und Kenntnisse, die im eigenen System integriert werden und damit eine neue Wirklichkeit entstehen lassen.

Jede Einstellung, der wir begegnen, besitzt einen hohen Wert, weil sie uns das komplexe Leben verstehbar macht. Aber ob unsere Deutungen der Handlungen, Gesten oder Aussagen anderer „richtig“ sind, das wissen wir nicht.

Gestern las ich einen (für mich) interessanten Artikel in der Tagespost. Er hatte die Überschrift: „Wie ich lernte, das Virus zu lieben“ von Professor Christoph von Ritter. Ich werde einen Teil daraus zitieren, weil es mich daran erinnerte, wie sehr wir in der Welt miteinander verbunden sind, und uns darin weiterentwickeln dürfen. Dies betrifft unser Zusammenleben mit Menschen, mit unseren Körper, mit unserer Umwelt und natürlich auch jenes mit unseren Bakterien und Viren.

„……… Immunsystem als Lebensversicherung

Kritisch sollte man also den ängstlichen Versuch beurteilen, das – in Tat für manche tödliche – Risiko einer Virusinfektion durch komplette Isolation im Rahmen von Quarantäne-Maßnahmen in den Griff zu bekommen. Möglich und notwendig sind natürlich Schutzmaßnahmen, welche die Gefahren von Virusinfektionen eindämmen. Aber gleichzeitig sollte ein einvernehmliches, weil unvermeidliches Zusammenleben mit den Keimen das Ziel unserer Bemühungen sein. Wichtige Grundlage hierfür ist unser Immunsystem. Unser Immunsystem ist eine wunderbare Lebensversicherung! Ohne sie können wir nicht mit Viren, Bakterien und Parasiten auf dieser Erde zusammenleben. Das Immunsystem lernt ständig im Zusammenleben mit Erregern. 

Verzweifelte Einsamkeit

Wir sollten uns mit der Tatsache vertraut machen, dass im fortgeschrittenen Alter, das wir dank moderner Medizin erreichen, die Immunabwehr schwächer wird. Im Alter ist das Immunsystem nicht mehr so kompetent wie in unserer Jugend. Das liegt zum einen daran, dass das Knochenmark mit fortschreitendem Alter eine zunehmend geringere Anzahl von B-Lymphozyten bereitstellt.

Außerdem sind die B-Zellen beim Menschen über 60 Jahre weniger anpassungsfähig und produzieren weniger spezifische Antikörper gegen Antigene, die das Virus auf seiner Hülle immer neu bildet. Es ist deshalb ein vollständig natürlicher Vorgang, dass man im fortgeschrittenen Alter anfälliger wird und an einer Virusinfektion versterben kann! An der Tatsache, dass am COVID-19 alte Menschen versterben können, trägt kein Regierungsverantwortlichen irgendwelche Schuld. Selbst noch so ausgefeilte Quarantäne-Maßnahmen würden nichts daran ändern können, dass viele von uns im Alter an einer Virusinfektion versterben werden.

Im Gegenteil sind solche Maßnahmen geeignet, dem alten Menschen unnötig verzweifelte Einsamkeit zu bescheren. Den Immunkompetenten verwehrt die Quarantäne den Erwerb der natürlichen Immunität.

Lebenslange Wegbegleiter

Viren, Bakterien und Parasiten sind unsere lebenslangen Wegbegleiter. Wir sollten versuchen, einvernehmlich mit ihnen zu leben. Ja, sie werden uns überleben! Die Mehrheit in unserem Körper machen nicht die Körperzellen, sondern die Bakterien aus. Selbstverständlich können diese Bakterien uns sehr gefährlich werden: Wenn sie in unsere Blutbahn geraten, kommt es zu einer Blutvergiftung und ohne die Hilfe von Antibiotika können wir eine solche septische Infektion nicht überleben.

Aber andererseits sind wir auf unsere Bakterien, das Mikrobiom, angewiesen. Bakterien trainieren unser Immunsystem, helfen bei der Aufnahme von Einfachzuckern durch Aufspaltung von ansonsten unverdaulichen Nahrungsbestandteilen. Störungen der Darmflora durch natürliche Einflüsse oder Antibiotika werden in einen Zusammenhang mit fast alle Volkskrankheiten wie Diabetes, Übergewicht, Allergien, Reizdarm, ja Depressionen gebracht. Kaum einer bezweifelt trotz aller Risiken und Gefahren, die von Bakterien ausgehen können, den Nutzen des Mikrobioms für den Menschen. Die Forderung nach einer Darmsterilisation gehört definitv der Vergangenheit an. Ganz im Gegenteil zeigen Stuhltransplantationen mittlerweile bei einigen Krankenheiten wie der pseudomembranösen Kolitis erste Erfolge. Der zunehmend gelassene Umgang mit Bakterien sollte Vorbild für unsere Beziehung zu den Viren sein.

Solidarität mit Alten und Schwachen

Wie also soll und kann unsere Beziehung mit den Viren aussehen? Zunächst muss klar sein, dass wir jedes Jahr aufs Neue mit neuen oder zumindest veränderten Viren in Kontakt kommen werden. Das ist Teil der Natur und unseres natürlichen Lebensrisikos. Für ein einvernehmliches Miteinander mit den Viren bedarf es keiner staatlichen Zwangsmaßnahmen. Einfache Schutzmaßnahmen wie Händewaschen und vom potenziellen Virusträger Abstand halten sind für den ansonsten Gesunden ausreichend und drängen sich jedem vernünftigen Menschen ohne weitere Erklärung auf. Die Mehrheit der Bevölkerung kann so jedes Jahr jede Infektionswelle weitgehend unbeschadet überstehen und stärkt immer aufs Neue das Immunsystem durch den Kontakt mit dem Virus.

Aus Solidarität mit den Alten und Schwachen müssen wir die Schwachstellen unseres Gesundheitssystems nüchtern analysieren und dann angemessen angehen: ausreichende Ausstattung der Krankenhäuser auch für Krisenfälle speziell mit Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit, Anwerbung und Anstellung von mehr Pflegekräften und Ärzten mittels besserer Bezahlung und verbesserten Arbeitsbedingungen. Auf diese Weise würden die Milliarden, die panikartige Sofortmaßnahmen verschlingen, so eingesetzt, dass sie eine nachhaltige Wirkung erzielen könnten!

„Angst essen Seele auf“

Ja, ein nicht geringer Teil der derzeitig weltweiten Einschränkungen und Zerstörungen im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben werden weniger durch das COVID-19 Virus als durch unsere Angst verursacht. „Angst essen Seele auf“, titelte treffend Rainer Maria Fassbender schon im Jahr 1974. Wie ein roter Faden zieht sich die Ermahnung „Fürchtet Euch nicht!“ durch die Bibel. Angst macht den Menschen manipulierbar, liefert anderen die Erlaubnis, seine Freiheit einzuschränken. Mit Angst schränken wir selbst unsere Freiheit ein. Furchtlos Risiken im Leben anzupacken und gleichzeitig bescheiden seine Grenzen anzuerkennen, ist Voraussetzung für eine gedeihliche Beziehung des Menschen mit den Viren und der Natur im Allgemeinen.“ Professor Christoph von Ritter

Gerne sende ich Dir den gesamten Artikel aus „Die Tagespost“ per Mail zu.

Wie reagieren wir, in Zeiten wie diesen, in denen wir das Gefühl von Kontrolle verloren haben, da wir keinen aktiven Einfluss auf ein Ereignis, andere Menschen oder Situationen nehmen können?

Von Dr. Godehard Stadtmüller, ehemaligem Chefarzt der psychosomatischen Adula Klinik in Oberstdorf, habe ich gelernt, dass es vor allem unsere inneren Einstellungen sind, die uns „dabei helfen“, Wachstum und Gesundheit zu vermeiden.

Es könnte hilfreich sein, auch in Zeiten, wie diesen, unsere inneren Haltungen, Überzeugungen und Glaubenssätze kritisch auf ihre Tauglichkeit überprüfen. Die Positionen, die unrealistisch oder lebensfeindlich sind, obwohl sie wunderbar klingen, gehören über Bord geworfen. Es sei denn, wir wollen unseren Genesungsweg, d.h. ein Leben mit einem gewissen Grad an Gelassenheit, verhindern.