Schmerzen verstehen (Teil 1)

In meiner Praxis begegne ich vielen Missverständnissen und (unnötigen) Ängsten in Bezug zum Schmerzen. Dabei ist es sehr hilfreich, sowohl für den Klienten, als für den Therapeuten, Schmerzen zu verstehen.

Tatsache ist, dass Schmerzen so stark sein können, dass wir an nichts anderes mehr denken, fühlen oder (uns) konzentrieren können. Ich lernte den (Lehr-)Satz: „Der weiseste Weise verliert seine Weisheit, wenn er Zahnschmerz hat.“

Was die wenigsten wissen: Wenn unser Gehirn meint, dass Schmerzen für unser Überleben eher von Nachteil wäre, würden wir, selbst bei schlimmsten Ursachen keine Schmerzen spüren.

Schmerzen an sich sind manchmal sinnvoll. Wenn ich z.B. stundenlang unbeweglich vor dem Bildschirm sitze, könnten Schmerzen mich daran erinnern, dass es sinnvoll wäre, mich mal zu bewegen.

Es existieren unterschiedliche Arten von Schmerzen: Insektenstiche, ein Schnitt in den Finger, Verstauchungen etc. lassen unser Gewebe verändern – die Signale, die im Gehirn ankommen, werden von diesem als Gefahr für das Körpergewebe gedeutet – und das Gehirn entscheidet vollkommen zurecht, es sollte etwas dagegen getan werden.

Dann deutet das Gehirn andere Schmerzerfahrungen; z.B. der Trauer, Einsamkeit oder der Erfahrung des Mobbing.  Diese Schmerzen sind nicht weniger essentiell, wie z.B. ein akuter Rückenschmerz. Jede Art von gefühlsmäßigen Schmerz sollte in diese Betrachtung mit einbezogen werden.

Bei allen Schmerz-Empfindungen spielen Gedanken und Gefühle eine wesentliche Rolle.

Um Schmerzen zu verstehen – besonders chronische oder sich ausbreitende, sollten wir unser Gehirn genauer betrachten. Dann erst können wir begreifen, welche Faktoren einen Einfluss auf unseren Schmerz haben.

Für heute beende ich diesen Beitrag mit der Feststellung, dass wir Schmerzen erleben, weil unser Gehirn (oft unbewusst) entschieden hat, dass wir bedroht oder in Gefahr sind. 

Die Herausforderung ist es herauszufinden, wieso das Gehirn so entschieden hat.

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