Da Sein

Was ist wesentlich in einem (Rebalancing) Therapie Prozess?

Dass ich als Mensch da bin. Dieses Da-Sein ist ein ganz bestimmtes Gefühl. In dem Moment, in dem ich einen (Behandlungs-)Raum betrete, lasse ich das, was mich stark beschäftigt, im gewissen Sinn, draußen vor der Tür. Idealerweise auch all mein „Wissen“, meine Pläne, Techniken etc.

Ich weiß: Wenn ich da bin, dann ist  a l l e s  verändert.

Dann ist es möglich, dass zwischen den Wesen zweier Menschen eine wechselseitige Beziehung wahrgenommen wird. Gedanken und Gefühle zwischen uns Menschen beeinflussen einander. Sie fördern oder hemmen Wachstum auch Heilkräfte. Sobald eine Resonanz zwischen KlientIn und Begleiter entsteht, werden beide gestärkt. 

IMG_9146

Dieses Da-Sein ist einfach. Früher glaubte ich, dass ich dies lernen muss. Dem ist nicht so. Da-Sein bedeutet, dass ich mich nicht verstecke. Ich muss nichts wissen – auch nicht gut sein. Es reicht, einfach da zu sein. Das erfordert Übung.

Im Rebalancing, also sowohl im Gesprächs-Dialog, im Körperlesen-Dialog, als auch im Faszien-Berührungs-Dialog üben wir in jeder Behandlungseinheit dieses Da-Sein. Jeder gute Dialog lebt von der Gegenwärtigkeit, von der Anwesenheit beider Menschen.

Dann ist es möglich, dass wir mit unseren verständigen, weiten Herzen in Kontakt gelangen. In Frieden kommen mit allem, was ist. Dass wir uns selbst annehmen, unseren Körper, unseren Geist und unserer Seele – also unserem Sein.

„Höre zu, lerne, erkenne Dich selbst
und lebe in Frieden mit Gott.“

Andrew Taylor Still (Begründer der Osteopathie)

IMG_9601

Rebalancing Ausblick(e) 2019

IMG_6426

2019 wird ein besonderes Jahr für uns.

1994/95 begann Bernd Scharwies die erste Ausbildungsgruppe zu unterrichten. Seitdem fand in jedem Jahr mindestens eine Rebalancing Ausbildung in München statt. Jahr für Jahr, über 25 Jahre. Seit 2010 findet ebenso in der Schweiz jährlich eine Rebalancing Ausbildung statt.

Wie das Leben sich wandelt, so hat sich auch Rebalancing gewandelt.

Bernd Scharwies wird 2019 u.a. mit George Rocky James einen Blick auf diese Entwicklung werfen. Was ist geblieben, wo und weshalb wurden Veränderungen vorgenommen, wie wirkt sich die Aufnahme als eine von 17 OdA KT anerkannten Methoden der KomplementärTherapie in der Schweiz auf die heutige Vermittlung der Ausbildungsinhalte aus. Inwiefern profitiert Rebalancing u.a. vom Menschenbild und den Zielen der KomplementärTherapie?

Die Rebalancing Schule wird in einer Fortbildungsreihe diese Themen sowohl in Seminaren als auch mittels Webinaren seinen aktuellen und ehemaligen SchülerInnen anbieten. Und alle TeilnehmerInnen, ob ehemalige, gegenwärtige oder zukünftige RebalancerInnen profitieren von dieser Entwicklung.

IMG_0059

Ab sofort können in der Schweiz lebende Schüler, welche die eidgenössisch anerkannte KomplementärTherapie-Ausbildung an unserer Schule absolvieren, eine Mit-Finanzierung der Ausbildung durch den Bund erhalten.

50% der Ausbildungskosten (max. Fr. 10’500.-) werden bei unserer Rebalancing Ausbildung in der Schweiz vom Bund finanziert, sofern die höhere Fachprüfung absolviert wird.

Sobald die Höhere Fachprüfung KomplementärTherapie absolviert wurde, kann jede/r, der in der Schweiz wohnhaft ist, dies (ohne Vorbedingungen) innerhalb von sieben jähren nach dem letzten anzurechnenden Kurs beantragen. Stichtag hierfür ist der 01. Januar 2018.

IMG_9146

Sommer Rückblick

Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

…….

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke

IMG_0665

Ich bin dankbar für diesen wunderschönen Sommer und Herbst. Der immerwährende Wandel ist spürbar in diesen Tagen.

Ich kann sie noch spüren, die letzten Sonnenstunden vom vergangenen Wochenende des Rebalancing Level 1 in Männedorf am Zürich See. Oder die große Hitze Anfang August mit Level 4 am Starnberger See, Level 9 am Thuner See sowie im September in Luzern, in der Fortbildung mit Rocky George James. Den Abschied des Sommers und Beginn des Herbstes im unvergleichbaren Abschluss der Rebalancing Klasse 2017/18, aus der 17 neue Rebalancer/Innen heraus gewachsen sind.

So sind für mich die Jahreszeiten verwoben mit körperlichen seelischen Berührungen und Erlebnissen die weit über das Lernen hinausgehen. Es sind Dimensionen einer Wechselbeziehung von Stille und Austausch, von Gruppenraum und Naturerfahrungen, die in mir ein neues oder ein anderes Bewusstsein hinterlassen – die sich in der KörperSeeleGeist Einheit eindrücklich manifestieren

IMG_0872.

Angekommen

München – Nashville – St. Louis – München

14 Tage Städte, Menschen und Natur begegnen, (fast) absichtslos, mich treiben und führen lassen.

Im Einklang seiend, nehme ich Menschen, Dinge, Farben, Geräusche und Licht wahr, die sich mir zeigen wollen. Meine Sinne erreichen mich. Innen und Außen sind verbunden. Ich fühle mich beschenkt, reich, offen und frei.

Dies ist ein Geschenk einer inneren Haltung, nach der meine Seele sich sehnt. Ein „Gateway“, durch das ich ab und zu schreiten darf.

Ich erlebe diese Momente der Absichtslosigkeit aus meiner Berufung, mit der ich (z.B. im Rebalancing) allem freundlich und neugierig begegne, was sich mir zeigen möchte.

Ich darf dann verweilen und lauschen, Da-Sein, berühren und berührt sein. Den inneren Regungen im Dialog folgen – weiter und tiefer als meine Worte dies beschreiben könnten.

Empfinden

„Je weiter die Technologie uns erlaubt, das Leben auf einer Mikroebene zu studieren, desto stärker werden die Beweise für dessen Komplexität und Intelligenz.“ (Andreas Weber)

Alles, ob Mensch, Tier oder Pflanze, wird wie von einer mächtigen Kraft zusammengehalten. Möglicherweise im Empfinden dessen, was ihnen gut tut und
was ihnen schadet. Wir sind Lebe-Wesen.

Wir er-leben uns, unsere Mit-Menschen und unsere Um-Welt primär mit unseren
Sinnen. Wir empfinden. Von allen Wesen der Natur können wir Menschen, die wir
Schmerz, Isolation und Vergänglichkeit erleben, lernen. Denn: Auch nach größten
Katastrophen erfahren wir, dass die Natur wieder auflebt, sich in Blüte verwandelt (und uns darin Hoffnung schenkt).

img_3324

Die Erfahrung, dass unsere Faszien auf unsere Emotionen reagieren und sich diese Gefühle verfilzend oder lösend auf das Netzwerk auswirken, dürfte ein jeder Mensch schon erlebt haben. Ein gutes Wort, eine empathische Geste, eine achtsame, liebevolle Berührung zeigen sich in bestimmten Situationen als heilender als das beste Medikament oder die beste therapeutische Technik, welche kühl, abweisend oder berechnend verabreicht wurde.

Deswegen ist das Empfinden – die Emotion – auch das/die des Therapeuten, in
jeder Be-Handlung so wesentlich. Die Art und Weise, wie ich mich jemandem annähere und ihn berühre, gibt mir die Möglichkeit zu erkennen, dass dieser Mensch mehr verkörpert, als das, was ich von ihm sehe, höre oder glaube zu wissen.

Um ihn ganzheitlich zu erfassen, muss ich fühlend wahrnehmen lernen. Dies erfordert vorsichtiges und sanftes Zugehen, berühren und gleichzeitig Platz zu lassen – nur nicht vorschnell zu sein.

Für die Berührung erweist es sich als notwendig, dass ICH ganz bei mir bin, in mich ruhe, mich und meinen Körper spüre und jedem Gefühl/Bild/Stimmung in mir vertraue und diese(s) ernst nehme.

Rebalancing Intensiv Workshop 14.-16. September 2018

Im Rebalancing-Intensive Seminar vermitteln Rocky George James und Bernd Scharwies, wie sie den Faszien und den Klienten im Dialog begegnen.

„Different strokes for different folks“

Nicht das Interpretieren und Deuten und Verstehen lehrt Dich, einen Menschen zu begleiten und zu berühren.


Zunächst geht es darum, wahrzunehmen was ist. Der Mensch ist seine eigene Botschaft. Er will nicht gleich unsere eigene Interpretation aufgedrückt bekommen (bei der wir selbst im Zentrum stehen), sondern als er selbst gesehen und wahr-genommen werden. Hier beginnt die erste tiefe Berührung.

Jede Berührung kann mich unmittelbar für den Anderen öffnen, für das Neue und Unverfügbare in ihm, für das, was mir da entgegentritt.

IMG_0870

Ich nehme wirklich den Menschen wahr, wenn ich ihn „wahr“-„nehme“: ihn in seiner ureigensten Wahrheit sein lasse und annehme.

Im Workshop betrachten wir einzelne Situationen und Sitzungen jeweils im Zusammenhang eines vielschichtigen Systems, in deren Mitte Du stehst.

Weitere Informationen: Flyer hier downloaden

oder auf http://www.rebalancing.de

Warum der Mensch unbedingt angefasst werden sollte

Am 19.Mai 2018 erschien ein Artikel in der NZZ (Neue Züricher Zeitung) von Nicole Althaus und Regula Freuler.

Berührungen werden im Alltag mehr und mehr reglementiert, oft sogar bewusst vermieden: Schon lange vor der „Belästigungs-Debatte“ haben Berührungen ihre Unschuld verloren. Dabei findet die Forschung immer mehr Gründe für die Wichtigkeit von Berührungen.

Kindern den Körperkontakt zu verweigern, ist, als ob man ihnen den Sauerstoff verweigert. Und das ist kein esoterischer Nonsense, sondern beruht auf wissenschaftlichen Studien.
Francis McGlone

Ohne Berührung kein Leben

Von allen menschlichen Sinnen ist der Tastsinn der erste, der sich im Mutterleib entwickelt, und er ist der letzte, der vor dem Tod erlischt. Er ist das Fundament jeder Beziehung, der intimste aller Sinne und der einzige, ohne den der Mensch nicht leben kann.

Frühchen können ihre Umwelt schlechter erkunden, weil sie im Brutkasten weniger Hautkontakt zu Bezugspersonen bekommen als andere Säuglinge. Die Entwicklung der entsprechenden Nervenfasern können im Gehirn mit vielen Berührungen wieder ausgeglichen werden. Wer Babys, beim Wickeln oder Anziehen zusätzlich liebevoll berührt, entwickeln mit einem Jahr bessere visuelle und motorische Fähigkeiten. Vor einer Operation kann mittels guter Berührungen die Aufregung (oder der Stress) bei Patienten gesenkt werden

IMG_0851

70 Prozent der autistischen Kinder leiden laut einer Studie von Francis McGlone, unter einer sensorischen Wahrnehmungsstörung. Kinder mit einem Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivität nehmen taktile Reize weniger schnell wahr und können diese nicht verarbeiten. Die Kinder spüren sich manchmal nicht. „Berührungen sind für die Entwicklung von Kindern nicht optional, so wie ein Kaugummi oder ein Markenturnschuh, sondern überlebenswichtig“, sagt der Neurowissenschafter McGlone der John-Moores-Universität in Liverpool.

Der Tastsinn verbindet uns mit anderen Menschen und lässt uns die Welt „begreifen“. Berührungen schaffen Nähe, spenden Trost, schenken Sicherheit, kurz gesagt: sie gehen unter die Haut. Gerade weil sie so wichtig sind, hat ihnen die Evolution eine eigene «Nachrichtenleitung» eingebaut.

McGlone, der zu den führenden Forschern der taktilen Informationsverarbeitung gehört, erklärt deren Funktion so: Es gibt den schnellen Dienstweg über die A-alpha-Fasern, welche Signale von der Haut sofort ins Gehirn tragen und uns wissen lassen: Achtung, heiss! Oh, schön weich! Und dann gibt es neben den breaking news auch noch den langsamen, gefühlsbezogenen Dienstweg über die C-Fasern, welche die Informationen gewichten und aus der Flut an taktilen Informationen Berührungen herausfiltern und melden, die angenehm und für unser emotionales Leben wichtig sind<.

Unser Berührungsmeldewesen hat also eine spezielle Hotline, um liebevolle, tröstliche oder erotische Botschaften anderer Menschen aufzufangen.»
Zitat aus dem Zeitungsartikel

IMG_0155

Schmerzen werden durch achtsame Berührungen gelindert. Es werden betäubende Proteine und das Bindungshormon Oxytocin frei gesetzt. Menschen, die regelmässig liebevoll berührt werden, leben entspannter und gesünder. Berührungen, zum Beispiel mittels einer Massage von lediglich 20 Minuten pro Woche senkt nachweislich den Blutdruck und den Cortisolspiegel.

Berührungsangst im Alltag

Im öffentlichen Raum hat Berührung ihre Unschuld verloren. Die Schlagzeilen über Pädophile, publik gewordene Übergriffe, aber auch die jüngste #MeToo-Debatte lassen den Körperkontakt oft hinterfragen. Auch wenn er gar keine sexuelle Komponente hat.

Betroffen sind von dieser Berührungsangst im öffentlichen Raum vorab Personen, die beruflich mit Kindern und Jugendlichen oder aber mit dem Körper zu tun haben: Lehrer, Kindergärtnerinnen, Ärzte, Pfleger, Heimleiterinnen. Das Damoklesschwert des Übergriffvorwurfs schwebt stets über ihnen. Manchenorts hat das zur totalen Berührungs-Abstinenz geführt.

In dem Artikel beschreiben die Autorinnen das Dilemma:
„Kein Zweifel: Sexuelle Übergriffe und Gewalt werden nach jahrzehntelanger Duldung und Tabuisierung zu Recht offengelegt und angeklagt. Doch in öffentlichen Institutionen scheint das Pendel nun in die andere Richtung umzuschlagen: «Anstatt der offensichtlichen Gewalt werden ‹normale› körperliche Beziehungen in Schulen zunehmend mit einem Tabu belegt», heisst es in einem Arbeitspapier vom Februar 2017 des Vereins Profil Q. Es sei sogar schwierig geworden, das Thema anzusprechen, ohne selber in Verdacht zu geraten, auf der «falschen» Seite zu stehen.“

Hier klicken und den vollständigen Artikel lesen